Biografische Brüche: Friedrich Graf von Baudissin zwischen Marine, Museum und Kolonialismus
11. Februar 2026 / 19 Uhr
Kunsthalle
Wilhelmshaven
Adalbertstr. 28
Eintritt frei
Friedrich Graf von Baudissin (1852 bis 1921) prägte Wilhelmshaven in verschiedener Hinsicht als Chef der Marinestation der Nordsee, Ehrenbürger der Stadt und maßgeblicher Initiator der Kaiser-Friedrich-Kunsthalle. Weniger bekannt ist sein Wirken in kolonialen Zusammenhängen. Während seiner Marinekarriere, insbesondere als Kommandeur der S.M.S. Albatross in Ozeanien, erwarb Baudissin zahlreiche ethnologische Objekte, die heute im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg unter seinem Namen geführt werden.
Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts DiViAS (Digitalisierung, Visualisierung und Analyse von Sammlungsgut) zeigen, dass ein erheblicher Teil dieser Bestände vermutlich aus kolonialen Gewaltkontexten und sogenannten Strafexpeditionen in Deutsch Neuguinea stammt. Der Vortrag beleuchtet diese widersprüchlichen Aspekte seiner Biografie und stellt aktuelle Erkenntnisse der Sammlungs- und Provenienz-forschung vor. Berücksichtigt werden sowohl die lokalen Bezüge Wilhelmshavens als auch Fragen der historischen Einordnung und des zukünftigen Umgangs mit der Sammlung Baudissin.
Jennifer Tadge ist Ethnologin und Provenienzforscherin am Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg. Im niedersächsischen Forschungs-projekt „DiViAS-Digitalisierung, Visualisierung und Analyse von Sammlungsgut" untersucht sie die Herkunftskontexte kolonialzeitlicher Objekt-bestände aus Ozeanien. Das Projekt verbindet dabei Provenienzforschung mit digitalen Methoden wie 3D Digitalisierung, Data Science und Geoinformatik.
